Wenn der Roboter beim Verpacken hilft

Verpackung ist ein weites Feld mit höchst unterschiedlichen Anforderungen. Kraft, vielen eher bekannt als Sondermaschinenbauer in der Holzbearbeitung, hat sich im Laufe der Jahre eine geschätzte Expertise auf diesem Gebiet erarbeitet. Eine ganz besondere Lösung entwickelte das Unternehmen für den niederländischen Türenhersteller Svedex. Die Kombination aus Karton- und Folienverpackung baut auf die helfenden Hände eines Roboters.

Gerade vor dem Hintergrund der Losgröße-1-Fertigung und Individualisierung sind flexible Verpackungslösungen mehr und mehr gefragt. Beim niederländischen Türenhersteller Svedex ist das nicht anders: Das Unternehmen hat schon einiges an Erfahrungen gesammelt. Und so kamen die Holländer auch nicht durch Zufall auf Kraft Maschinenbau, als die Notwendigkeit einer weiteren Verpackungslinie erkannt wurde. Die Rietberger Spezialisten haben bereits in der Vergangenheit verschiedene Maschinen und Fertigungslinien an den Svedex-Standort Varssefeld in den Niederlanden geliefert. „Das ist aktuell die dritte Verpackungslinie für Svedex“, erklärt Andreas Ostwald, Projektleiter in der Konstruktion bei Kraft.
Zusammen mit seinem Vertriebskollegen Martin Schmidt war und ist er zuständig für Svedex. Schmidt war es, der in den Gesprächen mit seinem Kunden die genauen Anforderungen für die neue Linie definierte, die über die allgemein üblichen wie Feuchtigkeits- und Staubschutz sowie Sicherheit vor Transportbeschädigungen an Kanten und Oberflächen hinausgingen. „Svedex wollte natürlich einen sicheren Kanten- und Oberflächenschutz für seine Türen. Gleichzeitig sollte die Verpackung aber so gestaltet sein, dass das Produkt selbst und darauf platzierte Produktinformationen sichtbar sind“, erklärt Martin Schmidt. Derart verpackt haben es nicht nur die Verarbeiter auf der Baustelle leichter – auch der Kunde sieht auf den ersten Blick, was er kauft, und kann es dann sicher nach Hause transportieren.

Die Lösung von Kraft arbeitet nun schon seit geraumer Zeit zur vollsten Zufriedenheit, wie Svedex bestätigt. Sie ist eine Kombination aus Karton- und Folienverpackung mit Implementierung eines Roboters, der damit wieder einmal ein neues Einsatzfeld eingenommen hat. „Im Lastenheft stand ausdrücklich, dass Produktblätter in die Verpackung mit eingeschlossen werden müssen“, erinnert sich Ostwald. Und genau das erledigt der gelenkige Helfer: Aus einem Magazin mit (derzeit) 32 Fächern holt er sich mit einer kleinen Saugtraverse die Produktinformationsblätter. Wie bei großen Legestationen – beispielsweise bei einer KT-Anlage – werden auch hier die Blätter mittels eines Luftstoßes aus einer Flachdüse vereinzelt. Anschließend wird das einzelne Blatt vom Roboter-Arm auf eine Falzstation gelegt, auf der eine Kante im 90-Grad-Winkel gefaltet wird. Dieser Knick ist nötig, um das Blatt Papier auf der Kopfseite der Tür in Position zu bringen und dort auch zu halten. Ist dieses Blatt auf der Türkante positioniert, holt sich der Roboter ein zweites Blatt. Dessen Handling ist weitaus simpler, denn es wird im unteren Türbereich einfach aufgelegt. Es enthält im Übrigen Warnhinweise für den Umgang mit dem Produkt. Bis dahin ist allerdings schon einiges passiert auf der Verpackungsstraße. Zu Beginn wird jede Tür eines angelieferten Stapels gescannt, damit sie für den weiteren Ablauf jederzeit identifizierbar ist. Dann werden die Türen mit einer Klemmtraverse, die an Kopf- und Fußseite ansetzt, auf die Rollenbahn gelegt. „Diese Art der Handhabung mit Klemmtraverse ist erforderlich, weil die Türen bereits mit Beschlägen versehen sind, die an den Längsseiten vorstehen“, erklärt Ostwald.

Nach der Zentrierung auf der Rollenbahn fahren die Türen weiter auf ein Transportband, wo nun von links und rechts und jeweils von unten Kartonstreifen so zugeführt werden, dass sie unter den Türen-Längskanten liegen. Die Streifen werden nach jeder Tür mit einem Messer von unten abgelängt. Wechselmagazine sorgen für einen unterbrechungsfreien Betrieb.
Weiter geht es in Richtung der sogenannten Formschultern. „Darin werden die Kartonstreifen bei der Durchfahrt um die Türseiten gelegt“, so Ostwald. „Damit das einfach und sicher funktioniert, sind die Kartonstreifen für eine leichtere Fälzung bereits vorgeprägt.“ Danach wird zunächst die vorne liegende Stirnseite verpackt – zur besseren Sicherheit gleich drei Mal. Dazu nutzt man die Überstände der Kartonstreifen, die insgesamt eben drei Mal eingeschlagen werden: einmal von der Seite mit einer einfahrenden Querrolle, dann ein zweites Mal von oben mit einem Flachblech. So gefalzt ist nun der untere Überstand frei zugänglich, um dort den Klebstoffauftrag mittels Düsen vorzunehmen. Anschließend wird auch der untere Überstand nach oben gefalzt und sofort angepresst für eine sichere Verklebung. Damit ist der Sektor Karton/Pappe auf der Linie beendet.
Nach der Roboterstation geht es mit der Folienverpackung weiter. Die Folien werden von unten auf das Band und von oben über die Türen gelegt, bevor sie im ersten Bearbeitungsschritt oben und unten an den beiden Stirnseiten der Tür verschweißt werden. Im zweiten Schritt werden die Folien über die Breite gestrafft und danach sofort an den Längsseiten der Tür verschweißt. Auch hier wird die überstehende Folie abgeschnitten und in Sammelbehältern aufgefangen.
Der letzte Schritt ist die Fahrt durch den Schrumpftunnel, in dem sich die Folie durch Hitze-Einwirkung stramm um die Tür legt. Vor der Abstapelung kühlen die Türen auf einer langen Rollenbahn mit zwei Winkelübergaben ab. Am Ende der Straße werden sie dann noch einmal ausgerichtet, bevor die Abstapelung wiederum mit einer Klemmtraverse erfolgt.
Die unterschiedlichen Türmodelle und die ebenso vielfältigen Kommissionen erfordern eine besondere Abstapelung. „Sowohl die einzelne Tür als auch Aufträge mit mehreren Türen müssen hier so erfasst und auf Paletten gestapelt werden, dass sie der logischen Reihenfolge für die Beladung der Lkw folgen“, erklärt Ostwald. Und für einen weiteren optimalen Schutz müssen immer wieder Schoner-Pappen zwischen die Türen gelegt werden. Auch hier steht die Sicherheit der Tür an oberster Stelle.

Von Carsten Krüger

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