Innovationen als treibende Kraft

Ein neues Format einzuführen, um die Kunden noch gezielter zu informieren: Das hatte sich der Sondermaschinenbauer Kraft vorgenommen. Im November veranstaltete das Unternehmen deshalb zum ersten Mal einen Kundentreff. Automatisierung hieß das übergreifende Thema des „Innovationstags“. Rund 40 Teilnehmer kamen in die alte Schmiede nach Rietberg-Mastholte, wo sie die gesamte technologische Bandbreite live in Aktion erleben konnten.

Gute Jahre liegen hinter Kraft, weitere gute Jahre werden folgen – darauf deuten jedenfalls die prall gefüllten Auftragsbücher hin. Entsprechend optimistisch empfing Markus Hüllmann die Gäste zum ersten „Innovationstag“ des Unternehmens. Als einen entscheidenden Erfolgsfaktor identifizierte der Kraft-Geschäftsführer die ständige Innovation, die sich der Traditions-Anbieter auf die Fahnen geschrieben hat. „Dieser Innovationshunger ist wesentlicher Bestandteil der Kraft-DNA“, beschreibt Hüllmann die treibende Kraft bei Kraft. Ein weiterer Faktor ist die Diversifikation, denn das Unternehmen ist in vielen Branchen zuhause und hat überall seine Nischen nicht nur gesucht, sondern auch erfolgreich besetzt: Türen und Zargen, Fußböden, Möbel, Dämmstoffe, Verpackung, Lager und Materialfluss, Handling und Robotik. Die technologische Breite hat in den vielen Jahren des Bestehens immer weiter zugenommen.

Um die Qualität und die Expertise hochzuhalten, bedient sich Kraft einer tiefen Wertschöpfung. „Dieses Prinzip macht uns flexibel, es ermöglicht Innovationen und ständige Optimierung“, so Hüllmann. Im Hinblick auf Industrie 4.0 ist die Automatisierung ein ganz wesentlicher Treiber. Tobias Walkenfort, Leiter Automatisierung, führte die Gäste in seinem Vortrag in das komplexe Thema ein. Die übergeordnete Lösung hat die Bezeichnung „Kraft Control System“. „Das Fundament dafür bildet eine durchgängige und flexible Systemarchitektur von der Feldebene bis zur Anbindung der Geschäftsleitebene mit ERP sowie der Betriebsleitebene mit MES“, erläuterte Walkenfort. Der Funktionsumfang beinhalte unter anderem die Diagnose und Analyse für alle elektronischen und digitalen Komponenten und natürlich die Datenerfassung und den -austausch im Sinne von Industrie 4.0. 

Ganz im Sinne der Besucher waren die praxisbezogenen Referate und Präsentationen zu den verschiedenen Geschäftsfeldern. Eines der größten sind Türen/Zargen, wo Kraft von der Einzelmaschine bis zur kompletten Produktionsanlage alles aus einer Hand liefern kann. Das geht bei Türen und Zargen bis zur Verpackung, eines der neueren Angebote von Kraft, das aber seit gut zwei Jahren ordentlich Fahrt aufgenommen hat.

Anhand einer Kostengegenüberstellung erklärte Laurent Heimen, Vertrieb Verpackungstechnik, den Gästen, wie wirtschaftlich eine moderne Verpackungsmaschine bzw. Verpackungslösung arbeitet und wie schnell sich der Return of Invest einstellt – ganz abgesehen von Umweltaspekten. „Mit einer absolut optimierten Verpackung ergeben sich positive Effekte für das Fällen von weniger Bäumen, für den Verbrauch von weniger Rohöl für die Kunststofferzeugung sowie für Transport und Logistik durch weniger Versandvolumen“, so Heimen. Und das alles bei deutlich besserer Sicherheit für das verpackte Produkt und natürlich weniger Abfall. Anschließend demonstrierte er anhand konkreter Beispiele für die Verpackungen von Duschkabinen und Beistelltischen, wie individuell, maßgeschneidert und sicher Verpackungslösungen aus dem Hause Kraft sein können. Immer individuellere Produkte erfordern schon fast zwangsläufig die kommissionsweise Fertigung. Diesem allgemeinen Trend begegnet Kraft mit umfassenden Handling- und Transportlösungen vom Lager über die Fertigung mit Puffern und Sortierern bis hin zur Verpackung und zum Versand. Gerade in den Disziplinen Handling, Materialfluss und Lager spielt wiederum die Automatisierung eine große Rolle beim Rietberger Maschinenbauer. Das machte Christian Kleibömer aus dem Vertrieb deutlich. „Bei Kraft ist die Lagertechnik ein Teil des Gesamtautomatisierungs-Prozesses, daher sind zum Beispiel keine weiteren Schnittstellen notwendig“, so der Grundgedanke. Mit „Human Machine Interface“ (HMI), also der Mensch-Maschine-Schnittstelle, gibt es für die Bedienung der Prozesse ein intuitives und durchgängiges Konzept von der Bedienung des Sensors oder Aktors in der Feldebene bis zum ERP-System in der Geschäftsleitebene.

Mit einem eigenen Projektbereich Robotik reagiert Kraft auf die zunehmende Nachfrage nach Robotern in der Produktion. Berthold Sudahl vom Vertrieb erklärte, dass heute schon über 70 individuelle Roboterapplikationen zum Tagesgeschäft gehören – Tendenz steigend. Denn, so Sudahl, „der Bericht der internationalen Roboter-Föderation zeigt, welche Länder das stärkste Wachstum verzeichnen – und dass bis 2020 mehr als 1,7 Mio. neue Industrie-Roboter in den Fabriken der Welt installiert sein werden.“ Zusammen mit den aktuell bereits arbeitenden Robotern wären das in Summe drei Millionen Roboter. Das schüre Ängste, berge aber auch Chancen. Denn der Einsatz von immer mehr Robotern reduziere den Anteil der Arbeitskosten, sodass die Industrieproduktion auch in einem Hochlohnland günstig funktioniere.
Sudahl stellte ferner die Überlegenheit von Robotern beim Linearhandling heraus. So liegt die Wiederholgenauigkeit beim Positionieren je nach Ausführung bei +/– 0,06 mm, und bei Roboter-Portalen immerhin noch bei +/– 0,2 mm. Dabei ist sowohl die Bodenmontage als auch der Einsatz hängender Systeme möglich, wodurch sich Roboterzellen an so gut wie jeder Stelle einplanen lassen. Für die einfache Bedienbarkeit und Steuerung sorgen Bedienpanels mit grafischer HMI.
Und die Zukunft hat bereits begonnen: Inzwischen werden Roboter schon ohne Käfig neben dem Menschen eingesetzt und können so noch effektiver mit ihnen zusammenarbeiten. Diese kollaborierenden Roboter, genannt „Cobots“, können Montagearbeiten übernehmen, aber auch schwere oder ausladende Bauteile heben, drehen oder halten. Der mögliche Verzicht auf bauliche Schutzeinrichtungen wie Lichtgitter, Käfige oder Barrieren spart Kosten und sorgt für optimierte Arbeitsabläufe.

Kraft ist bereits dran an diesem Zukunftsthema und sammelt vielleicht sogar schon Material für die Vorträge und Präsentationen des nächsten „Innovationstags“.